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Altarweihe 2013

Altarweihe 2013

Am 1. September 2013 wurde der 840-jährige Weihetag und das Ende der Renovierung mit der Wiedereröffnung und Altarweihe durch den Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx gefeiert.

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx
Grußwort zur Altarweihe in St. Aegidius, Keferloh

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitchristen!

Keferloh ist in gewisser Weise die älteste Kirche Münchens, auch wenn sie lange zum Kloster Schäftlarn gehörte. Aber die schöne, jetzt wieder in großer Würde restaurierte und neu gestaltete romanische Kirche wurde auf dem Gebiet zweier Höfe 1170‐1173 erbaut, die dem Schäftlarner Kloster als Entschädigung für Gebietsverluste übergeben wurden, die aufgrund der Gründung Münchens – Verlegung der Föhringer Brücke – 1153 entstanden sind. Am Kreuzungspunkt von wichtigen Salzstraßen gelegen, lässt sich Keferloh nicht nur als wichtiger und mindestens seit dem frühen 14. Jahrhundert kontinuierlich genutzter Marktort nach­weisen, sondern auch als Ort, an dem Gottesdienst gefeiert wurde von Gründungszeiten an. Markt und Kirche, Handel und Ort der Begegnung mit Gott, das ist bis heute in Keferloh eng miteinander verbunden und kann jetzt nach Abschluss der umfassenden Restaurierung, die einer lebendigen Erneuerung gleichkommt, wieder intensiviert gelebt werden. Am 1.9.1173 wurde die Kirche durch den Freisinger Bischof Albert von Harthausen geweiht und am 1.9.2013, genau 840 Jahre danach, kann ich als einer seiner Nachfolger den neuen Altar der Kirche weihen, den neuen Ambo segnen. Die Versammlung um den Altar als Vergegenwärtigung des Leibes Christi und die Verkündigung seiner frohen Botschaft waren und sind die wesentlichen Nutzungen der Keferloher Kirche und werden es auch künftig wieder sein. Das faszinierende neue Scheibenkreuz gibt dem Raum nicht nur seinen gestalterischen Abschluss, sondern seinen inhaltlichen Halt. Spuren der Geschichte sind auch nach der Restaurierung erhalten geblieben, die in Resten vorhandene Wandgliederung durch gemalte Quader sind geradezu Gestaltungsprinzip geworden auch für das Neue und lassen eine harmonische Einheit zwischen Alt und Neu entstehen, in die auch die Reste der verschiedenen mittelalterlichen Malereien eingefügt sind. Deutlich wird sichtbar, dass wir als Christen in einer großen Kontinuität stehen. Generell und ganz konkret hier in Keferloh. Wir sind eingebettet und behütet in diesem Kirchenraum mit so großer Geschichte, und wir sind aufgerufen in den neuen liturgischen Orten und den neu hinzugekommenen Gestaltungen diese Tradition wieder neu und lebendig zu leben und zu feiern.

Dabei stand es vor der jetzigen Restaurierung schlecht um die Kirche. Ganz wesentlich ist dem gemeinschaftlich bürgerlichen Engagement, das zur Gründung eines Fördervereins führte, zu danken, dem es gelungen ist, diese Kirche, die etwas in Vergessenheit zu geraten drohte, wieder ins Bewusstsein zu rücken, durch großen ideellen wie finanziellen Einsatz. Ich hoffe und wünsche, dass mit der Weihe des neuen Altares und der Segnung des neuen Ambos dieses Engagement weiter lebendig bleibt. Die Kirche soll ja genutzt werden. Wesentlich zunächst dadurch, dass sie geöffnet ist und gehütet wird wie ein Schatz, denn sie ist ein ganz besonderer. Denn nur die geöffnete Kirche ermöglicht dem Gläubigen, dem Suchenden, dem Wanderer und Radfahrer, dem Touristen die Einkehr und die Begegnung. Dann aber v. a. auch für die gemeinschaftlichen, gottesdienstlichen Feiern in den vielfältigen Möglichkeiten mit dem Höhepunkt der heiligen Eucharistie. Möge diese Kirche mit ihrer 840jährigen Geschichte wieder verstärkt ein Ort der sakralen Erfahrung werden, der Begegnung des Menschen mit unserem göttlichen Erlöser.

Mit diesem Wunsch grüße ich Sie herzlich,
Ihr Reinhard Kardinal Marx , Erzbischof von München und Freising

 

Festvortrag zur Wiedereröffnung der romanischen Kirche St. Aegidius am Samstag, 31. August 2013 von Professor Hermann Rumschöttel PDF